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Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft

Landesverband Württemberg e.V. - Bezirk Ravensburg - Ortsgruppe Wangen im Allgäu

Vollübung des Landratsamtes Ravensburg am 15.10.2005

 

Allgemeines:

Angenommen wurde ein Orkan, der den östlichen Teil des Landkreises Ravensburg schwer traf. Sehr passend daher der Name der Übung: "Wildes Allgäu 2005".

Unter Federführung des Landratsamtes Ravensburg wurden insgesamt sechs räumlich getrennte Schadenslagen erarbeitet und zeitlich so in Abfolge gebracht, dass bewusst bereits anderweitig eingesetzte Einheiten aus ihren Einsätzen herausgelöst und neu entsandt werden mussten.

Als weitere Erschwernisse wurde bestimmte Hauptverkehrswege für die Übungsteilnehmer gesperrt. Wurde etwa angenommen, dass Bäume die Fahrbahn versperrt hatten, so konnte die Straße erst nach Anlegen von Schnittschutzausrüstung und starten einer Kettensäge passiert werden, was jeweils von Beobachtern überwacht wurde.

Für Übungsteilnehmer  Gesperrt war auch ein Teilstück der B 18 / BAB 96, da diese wegen eines angenommenen Erdrutsches unpassierbar war. Kräfte, die die Straße dennoch befuhren, wurden für 30 Minuten aus der Übung herausgenommen.

Ausgangslage:

Für die DLRG, die von Anfang an bei den Planungen der Übung beteiligt war, bot sich folgendes Szenario:

"Am südlichen Ufer des Obersees ist eine Gruppe Jugendlicher in einem Zeltlager mit teilweise körperlich behinderten Jugendlichen vom Sturm überrascht worden. Im ersten Notruf war von ca. 20 Jugendlichen die Rede, einige sollen von umstürzenden Bäumen getroffen sein. Wie viele Verletzte und welche Arten von Verletzungen es gibt ist nicht bekannt. Auch auf dem Wasser sollen sich Personen aufgehalten haben. Der Anrufer gibt an, von umgestürzten Bäumen eingeschlossen zu sein.

Landseitige Zugänge zum betroffenen Areal sind in Folge Windbruchs dauerhaft nicht zu gebrauchen.

Die ILS Ravensburg alarmiert hierauf um 09.45 Uhr die gem. Stichwort WAS01 für den Obersee verfügbaren Einsatzkräfte (FF, WRD und SAN)

Im Rahmen der Lageerkundung wird festgestellt, dass ein landseitiger Zugang in absehbarer Zeit nicht zur Verfügung steht, der Zugang ist nur übers Wasser möglich.

Einzige Möglichkeit zum Slippen der Boote bietet ein Zugang am Ostufer vom Stolzenseeweg aus, südlich des „Mädchenbades“ (Entfernung Luftlinie ca. 300 m).

Nach Überqueren der Seefläche wird im Rahmen der ersten Lageerkundung festgestellt, dass von den 27 Jugendlichen etwa die Hälfte körperlich zunächst unverletzt ist. Es werden ca. 10 Leichtverletzte und 6 Schwerverletzte gesichtet."

 

Zur Verfügung stehende Kräfte für eine Nachalarmierung:

DLRG EG Altshausen, Bereitstellung ab 09.30 Uhr in Vogt

zwei Bootstrupps BSK, Bereitstellung ab 09.45 Uhr in Pflegelberg

 

Ein Schwerverletzter Jugendlicher wurde von einem umstürzenden Baum eingeklemmt und zog sich Verletzungen der Extremitäten sowie ein SHT zu. Eine Verletzung der Wirbelsäule ist anzunehmen. Der Jugendliche ist bewusstlos, Spontanatmung ist vorhanden aber unregelmäßig.

Der Jugendliche ist durch Kräfte der FF Kißlegg in Absprache mit den Rettungskräften zu befreien.

Ein zweiter Schwerverletzter ist bewusstlos, ein Brillenhämatom beginnt sich auszuprägen. Er wurde von einem herabstürzenden Ast am Kopf getroffen.

Ein dritter Schwerverletzter zog sich schwere Verletzungen an einem Auge zu.

Unter den Leichtverletzten befindet sich ein Rollstuhlfahrer, welcher sich beim Sturz aus dem Rollstuhl eine Verletzung an der Schulter zugezogen hat. Er ist nicht mehr in der Lage, sich selbst fortzubewegen.

Außerdem befinden sich unter den Betroffenen zwei Blinde Jugendliche. Sie blieben unverletzt.

Ein Verantwortlicher gibt an, dass zum Zeitpunkt des Sturms eine Gruppe Jugendlicher mit einem Ruderboot auf dem Weiher unterwegs gewesen sei. Das Boot wurde abgetrieben, wo es sich derzeit befindet und wie viele Personen an Bord waren, ist nicht bekannt.

 

Das abgetriebene Boot wird in einem nicht einsehbaren Schilfgürtel entdeckt. Zwei Personen klammern sich unterkühlt und entkräftet am Rumpf fest. Sie teilen noch mit, dass sie zu dritt im Boot waren und der dritte jugendliche kurz vor Erreichen des Schilfgürtels bewusstlos vom Rumpf gerutscht sei."

 

Nachbereitung:

Der Verlauf der Übung an unserem Einsatzabschnitt wurde von insgesamt 7 Beobachtern aus dem Bereich Feuerwehr, SAN-Dienst und WRD beobachtet und bewertet.

Derzeit lässt sich sagen, dass die Übung sehr dicht am Szenario ablief, es gab keine ungewünschten Fehlentwicklungen.

Zur taktischen Durchführung liegen noch nicht alle Ergebnisse und Eindrücke vor.

Kritisiert wurde, dass der Einsatz nicht von Beginn an in Zugstärke abgewickelt wurde. Dies wäre angesichts der Schadenslage aber unrealistisch gewesen; bei nicht planbaren ad-hoc-Lagen wie einem Orkan kommt es gerade darauf an, einen zu Beginn "kleinen" Einsatz so zu gestalten, dass er ohne großen Aufwand in einen Großeinsatz überführt werden kann.

Es wurden daher nicht die klassischen Einheiten eines Wasserrettungszuges eingesetzt (Zugtrupp, Wasserrettungsgruppen); der Einsatz wurde durch die Einbindung immer weiterer SEG'en Wasserrettung nach und nach zu einem Großeinsatz.

Als positiv hat sich bislang vor allem der Einsatz der FF Kißlegg dargestellt, die zur Beurteilung der Schadenslage mit einem RTB I übersetzten und dort sehr professionell und über einen längeren Zeitraum bis zum Eintreffen der MRB die Betreuung und Versorgung der Patienten übernahm.

In unserer Bildergalerie werden wir nach und nach die Bilder unsers Abschnittes einstellen, da das Zusammentragen der Bilderflut noch einige Zeit dauern wird.

eingesetzte Kräfte:

EG Allgäu: 0 / 1 / 9
EG Schussental: 1 / 4 / 12
EG Altshausen: 1 / 1 / 4
Bez. Bodenseekreis: 0 / 1 / 8     =  42
   
Übungsleitung: 3 / 0 / 1