Spezialisierung unserer Rettungsboote: Der Einsatz von SONAR im WRD

Der Landkreis Ravensburg besitzt zwei Drittel aller stehenden Wasserflächen im gesamten Regierungsbezirk Tübingen. Zudem fließen die Argen, die Schussen und zum Teil die Iller durch den Kreis.

Mit Einrichtung der neuen Alarm- und Ausrückeordnung im Jahr 2004 wurden neben 16 Flüssen, bzw. Flussabschnitten 110 stehende Gewässer namentlich erfasst, die zumindest eine gewisse Bedeutung für den Wasserrettungsdienst  haben können. Geprägt sind diese Gewässer meist durch schlechte Sicht und ausgedehnte Wasserflächen. Mehrmals im Jahr sind gerade diese Seen und Weiher Einsatzort der DLRG Wangen, ob nach Selbsttötungen oder Unfällen.

Die oft zeitraubende Personensuche, die durch die Kälte und schlechte Sicht zusätzlich behindert wird, belastet Bootsbesatzung und Taucher aufs Stärkste. Die verzweifelte Hoffnung in den Augen der Angehörigen geht auch dem hartgesottensten Retter mit jahrelanger Sucherfahrung an die „Nieren“.

Unendlich tief ist der Schmerz in den Gesichtern der Hinterbliebenen, wenn die schlimmsteBefürchtung nach dem Auffinden des Ertrunkenen zur unabwendbaren Gewissheit wird.

Aus diesem Grund entstanden bereits kurz nach der Indienststellung unseres ersten Bootes Bestrebungen, dieses Boot mit speziellen technischen Hilfsmitteln "aufzurüsten".

Es handelt sich hierbei um ein Sidescan-Sonar. Ein amerikanischer Hersteller hat eigens für Rettungsdienste eine preiswerte Variante entwickelt, um die Suche nach Vermissten zu verkürzen.

Wie schon erwähnt beschäftigten wir uns seit längerem mit der Sonar-Technik, die überaus erfolgsversprechend ist – einziger „Haken“ daran waren bislang jedoch die Kosten – 10.000 Euro für die wissenschaftlichen high-end-Geräte sprengten unseren Etat. Die Rettungsdienst-Ausführung des neuen Sonars liegt mit 2.400 Euro im realistischen Bereich. Da wir uns im Wesentlichen durch die Beiträge unserer Mitglieder finanzieren, fehlten uns aber die Mittel.

Nachdem wir die Finanzierung dank einiger Spender, vor allem dem Lions-Club Wangen-Isny, gesichert hatten, konnten wir das Gerät Ende Mai 2007 anschaffen.

Nach der Montage des Gerätes begann für uns eine ausführliche Erprobungsphase um den richtigen Umgang mit Sonar und Boot, aber auch die richtigen Einstellungen an den jeweiligen Geräten zu finden.

Die ersten Ergebniss stimmen uns allerdings sehr zuversichtlich!

Die weiteren Tests mit Personen unter Wasser verliefen teils ernüchternd, weil man unter bislang nicht nachvollziehbaren Umständen teils gar keine Person unter Wasser erkennen konnte.

Teils liefen die Tests aber wiederum so gut, dass im Falle einer echten Suchaktion die zu suchende Person nach wenigen Minuten gefunden worden wäre. (Siehe Bilder).

In den Tests achteten wir darauf, Echos durch die Tauchflasche oder andere - für Schwimmer ungewöhnliche - Gegenstände zu vermeiden und typische Körperhaltungen Ertrunkener nachzustellen.

Dezember 2007:

Zwischenzeitlich konnten wir einige interessante Erfahrungen mit dem SONAR-Gerät machen.

Bei einer Übungsfahrt in Bad Waldsee entdeckten wir zufällig ein gesunkenes Ruderboot. Außerdem suchten wir in einem Weiher im Allgäu nach einer versunkenen Langwaffe; wider Erwarten konnten wir das Gewehr in knapp 2 Meter Tiefe am Display erkennen.

Neben der Montage auf unserem Hochwasserboot planen wir die Anlage Luftverlastbar zu machen, und so im ganzen Süddeutschen Raum zum Einsatz zu bringen. Über ein ähnliches Gerät verfügt nach unserer Kenntnis niemand im weiten Umfeld.

 
 

 

Stand Oktober 2010:

Zwischenzeitlich konnten wir zu dem Sonar auch eine Plattform für einen mobilen Einsatz entwickeln.

Hierzu wurde ein zweiter Einbausatz inkl. Geber angeschafft.

Um einen möglichst flexiblen Einsatz auf verschiedensten Booten zu ermöglichen, wurde die Einheit auf einer Alu-Leiter montiert. Als Träger dient ein gewöhnlicher Regalboden.

Ein Dreibein als Aufnahme des Gebers ermöglicht eine optimale dreidimensionale Ausrichtung im Wasser, unabhängig vom verwendeten Boot.

Die Stromversorgung erfolgt über leistungsfähige Blei-Gel-Akkus, welche zuvor in einer USV-Anlage Dienst taten.

Die mobile Anlage bietet dieselben Funktionalitäten wie die fest eingebaute (GPS-Positionsdaten, Lichtbilder, Spuraufzeichnung, u.a.).

 

 


Stand Juli 2013:

Nachwievor testen wir regelmäßig mit teils überraschenden Ergebnissen verschiedene Anwendungen und Einsatztaktiken.

Das Bild unten zeigt eines der besten Ergebnisse, die uns bislang gelungen sind. 

der neue Monitor auf einer speziellen Halterung (Ram-Mount)
während des Transports auf der Straße kann das Gerät abgeklappt oder komplett abgebaut werden.
der neue Geber am Heck des Bootes

Stand April 2015:

Geräte-Upgrade

Bereits seit 2007 verfügten wir über ein Side-Scan-Sonargerät.

Nach inzwischen 8 Jahren technischem Fortschritt war es an der Zeit, die Technik entsprechend zu erneuern. 

Der DLRG Bezirk Ravensburg investierte gut 2500 Euro in die Anschaffung eines neuen Gerätes vom Typ Humminbird 1199ci, welches Anfang April auf dem Trägerboot montiert wurde. 

Es umfasst einen mit 10,4 Zoll etwa dreimal so großen Bildschirm und einen neuen "Geber", der die Sonarsignale aussendet und empfängt. 

Von dem Gerät erwarten wir uns Bilder mit einer wesentlich höheren Detailgenauigkeit und freuen uns auf die ersten praktischen Erfahrungen.

 

 

 

 

 

Die ersten Versuche, noch ohne Person unter Wasser, brachten schonmal erstaunliche Ergebnisse. Vor allem die detailreiche Abbildung hat uns im Vergleich zum Vorgänger erstaunt!